Frequenzversteigerung: Viele äußern Besorgnis

Frequenzversteigerung: Viele äußern Besorgnis
Bild: E-Plus und Co
Am heutigen Montag hat die Versteigerung der begehrten Rundfunkfrequenzen begonnen. Insgesamt stehen 360 MegaHertz zum Erwerb, darunter die begehrten Frequenzen im Bereich 800 MegaHertz. Jene wurden durch die Umstellung des Rundfunks auf Digitaltechnik frei und bringen viele Vorteile für die Netzbetreiber. Zunächst ermöglichen diese Frequenzen den kostengünstigeren Ausbau der Netze. Der Empfang ist auch in Gebäuden störungsfrei, dabei kommt die Übertragung mit weniger Sendemasten aus als auf anderen Frequenzen.

Es ist das erste Mal, dass in Europa ein solches Frequenzpaket zum Verkauf steht. Branchenkenner rechnen damit, dass die Versteigerung einen Milliardenbetrag in die Kassen der Bundesnetzagentur spülen wird. Im Jahre 2000, bei der legendären UMTS-Auktion, brachte diese dem Bundeshaushalt 50 Milliarden Euro ein.

Mathias Kurth, Präsident der Bundesnetzagentur, sagte in einem Gespräch mit Redakteuren der Welt am Sonntag, er gehe davon aus, dass jenes Unternehmen Marktführer werde, welches als erstes einen umfassenden Ausbau der Netze für mobiles Internet vorweisen kann. Dazwischen steht die Auflage der BNA, zuerst die ländlichen Regionen, in denen größtenteils keine Glasfaser-Verbindungen schnelles Internet ermöglichen, mit Internet der vierten Generation (4G) zu versorgen.

Klagen der Netzanbieter E-Plus und Telefonica o2

Die Freude über die Frequenz-Auktion hält sich bei einigen Gruppen jedoch in Grenzen. Im Vorfeld gab es Klagen der Netzanbieter E-Plus und Telefonica o2. Die beiden Mitbewerber fühlen sich benachteiligt gegenüber den zwei anderen Unternehmen Vodafone und T-Mobile, die den Markt mit 70 Prozent Anteilen beherrschen. Doch die Klagen blieben ohne Wirkung.

Eine weitere Klagewelle könnte von den Umweltschützern kommen. Der Mobilfunkexperte der Umweltschutz-Organisation BUND Bernd Rainer Müller gab in einem Gespräch mit der taz zu Bedenken, dass durch den Ausbau der Mobilfunknetze insbesondere auf dem Land mit erhöhtem Elektrosmog zu rechnen ist. Der Mangel an leistungsstarken Glasfaserkabeln bewirkt die erhöhte Strahlenbelastung. Darum schlägt Müller vor, statt auf den Ausbau der Mobilfunknetze zu setzen, besser in immissionsarme Kommunikationstechnologien zu investieren. In Deutschland gibt es laut BUND schließlich bereits heute etwa 260 000 große Mobilfunk-Sendeanlagen und rund zwei Millionen kleinere Sendeanlagen. Dazu kommen rund 100 Millionen Mobiltelefone sowie etwa 50 Millionen häusliche Sender wie Wireless Lan (WLAN), Schnurlos-Telefone und Anlagen zur Daten- und Videoübertragung.

Eventuelle Störungen beim Fernsehempfang

Nicht nur die Umweltschützer sind jedoch besorgt. Auch Michael Bobrowski vom Bundesverband der Verbraucherzentrale in Berlin äußert Besorgnis. Sein Anliegen ist jedoch ein anderes, nämlich der Fernsehempfang. Die Bundesnetzagentur habe keine Maßnahmen ergriffen, Störungen dieser Art schon im Vorfeld auszuschließen, beispielsweise durch eine effektive Frequenz-Koordination. Wer die Kosten für die Beseitigung etwaiger Störungen übernehmen soll, ist ebenso wenig geklärt wie die Frage nach den Auswirkungen auf den Fernseh-Empfang der Frequenz-Vergabe.

Jochen Mezger vom Institut für Rundfunktechnik sagte dem Tagesspiegel, er sei sich sicher, dass Störungen auftreten werden. Es sei nur nicht klar, in welchem Ausmaß. Auf den Kosten, der Beseitigung möglicher Störungen, bleibt der zukünftige Netzbetreiber wohl selbst sitzen. Die zusätzlichen Ausgaben werden dann mit hoher Wahrscheinlichkeit an den Kunden weiter gegeben.

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