Liberty Global schluckt Unitymedia

Bild: UnitymediaLiberty Global kauft den deutschen Kabelnetzbetreiber Unitymedia. Wie heute morgen bekannt wurde, ist die Übernahme durch John Malone, Vorsitzender des US-Kabelbetreibers Liberty Global, und Unitymedia-Chef Parm Sandhu für die erste Jahreshälfte 2010 bestätigt worden. Der Kaufpreis soll 3,5 Milliarden Euro betragen. Davon entfallen 1,5 Milliarden Euro auf die Übernahme von Schulden.
Die Übernahme gewährt dem US-Medien-Mogul John Malone den Eintritt auf den deutschen Kabelmarkt. Unitymedia zählt mit rund 6 Millionen Kunden als zweitgrößter deutscher Kabelnetzbetreiber und verwaltet die Kabelnetze in Nordrhein-Westfalen und Hessen. Mit dem Kauf könnte der Kampf um Neukunden für gebündelte Angebote aus Fernsehen, Internetzugang und Telefonie an Schärfe zunehmen. Auch der noch für dieses Jahr geplante Börsengang von Unitymedia dürfte damit ausfallen. "Die Wahrscheinlichkeit liegt etwas über 50 Prozent", sagte ein Brancheninsider dem Handelsblatt. Die Haupteigentümer, die Finanzinvestoren Apollo und BC Partners, wollen den Kölner Konzern schon seit längerem loswerden, da Private-Equity-Gesellschaften ihre Unternehmen zumeist auch nur drei bis fünf Jahre halten.
Bereits 2008 soll es Gespräche zwischen Malone und Sandhu über eine mögliche Übernahme gegeben haben. Beide kennen sich schon lange. 2003 stieß Sandhu zur Unitymedia-Vorläuferfirma Iesy. Davor war der Brite als Finanzdirektor für Malone tätig und bemühte sich vergeblich um den Kauf des Telekom-Kabelnetzes. Malone wollte damals für 5,5 Milliarden Euro rund 60 Prozent des Kabelnetzes der Deutschen Telekom übernehmen, scheiterte damit aber am Bundeskartellamt. Zwei Jahre später übernahm Liberty dann den größten schweizerischen Kabelnetzbetreiber Cablecom vor dessen Gang an die Börse.
Es handelt sich um die größte Übernahme seit Jahren
Liberty Global zählt 16,7 Millionen Kunden und 22 000 Mitarbeiter und verbuchte im Jahr 2008 einen Umsatz von 10,6 Milliarden Dollar. Das bedeutete einen Verlust von 789 Millionen Dollar zum Vorjahr. Inhaber Malone ist im deutschen Markt bisher mit dem Düsseldorfer Einkaufssender QVC präsent. Sein Eintritt in das deutsche Kabelgeschäft gilt als Sensation, zumal Malone bei vergangenen Versuchen immer an verschiedenen Hürden gescheitert war. Mit Liberty Global betreibt der US-Medien-Mogul in den Niederlanden, der Schweiz oder Ungarn mehrere Kabelnetze. Angaben zufolge hat der Konzern mehr als 14 Millionen Kunden in 17 Ländern und gilt als einer der größten Kabelkonzerne außerhalb der USA.
Unitymedia veröffentlichte am Donnerstag seine Quartalszahlen. Der Gesamtumsatz stieg auf 227 Millionen Euro, was einem Anstieg von drei Prozent entspricht. Das bereinigte Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) legte um zwölf Prozent auf 113 Millionen Euro zu. Besonders das Paketangebot für digitales Pay-TV, Internet und Telefon konnte zum Wachstum beitragen. Unitymedia ist mit 1,5 Milliarden Euro hoch verschuldet. Ein Teil des Kaufpreises soll zur Schuldentilgung eingesetzt werden. Die Übernahme soll zum Teil aber auch über einen Kredit von Unitymedia selbst in Höhe von 2,5 Milliarden Euro finanziert werden, was eine neue Verschuldung zur Folge hätte.










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