Vodafone Griechenland im Visier der Ermittler
SMS) nicht erhalten zu haben. Was zunächst wie eine technische Panne aussah, entpuppte sich bei entsprechender Kontrolle durch ein Expertenteam als vorsätzlich, innerhalb der technischen Vorrichtungen Vodafones installierte Abhörsoftware, die durch ein Trojanerprogramm aktiviert werden konnte.
Darüber hinaus wurde bekannt, dass zahlreiche Mobilfunk-Telefone hochkarätiger, griechischer Politiker ebenfalls abgehört wurden: zu den Opfern der Abhöraffäre, gehören sowohl Griechenlands Ministerpräsident Kostas Karamanlis, wie auch Außenminister Petros Molyviatis sowie einige andere Hochkaräter des Verteidigungsministeriums und prominente Pressevertreter. Somit erhält die bedenkliche Affäre zusätzlich eine immense politische Bedeutung, denn wer könnte daran interessiert sein, Staatsgeheimnisse auszuspionieren?
Die griechische Presse, allen voran die namhaften Zeitungen "Ta Nea" und die Athener Publikation "Eleftherotypia", vermuten dahinter die Handschrift der CIA, zudem die Rückverfolgung der vermeintlichen "Abhörzentrale", zu Spuren in der Nähe der Athener US-Botschaft führte.
Die Rolle des Mobilfunkbetreibers Vodafone in diesem Abhörskandal war stets umstritten, dazu trugen der mysteriöse Selbstmord des Vodafone-Mitarbeiters Costas Tsalikidis kurz nach Entdeckung der Spionagesoftware (dieser war zuständig für die Wartung und Architektur der Systeme zum Zeitpunkt der Installation des Schnüffelagenten, die bereits im Jahr 2003 stattgefunden haben soll) und die Tatsache, dass Vodafone, nach Ansicht involvierter Experten, viel zu spät die zuständige Regierungsstelle über diesen gravierenden Vorfall in Kenntnis gesetzt hat, erheblich bei. Anastasios Karamarios, Leiter der Untersuchungskommision in der Vodafone-Abhöraffäre kam nach Durchsicht des ADAE-Zwischenberichtes (Communications Privacy Protection Authority) zu dem Entschluss, Vodafone unmittelbar durch die zuständige Staatsanwaltschaft zur Verantwortung ziehen zu wollen; in dem 27-seitigen Bericht sieht Karamarios laut Aussage der Publikation "Kathimerini" eindeutige Hinweise auf eine Gesamtverantwortung Vodafones an den Vorfällen: so sollen am 24 Januar 2005 Manipulationen an der besagten Software durchgeführt worden sein, einem Zeitpunkt an dem – laut Protokollierung – nur Techniker von Vodafone die technischen Infrastrukturen (in Besitz von Ericsson Hellas) betreten haben sollen. Ganz Griechenland erwartet derzeit mit Spannung konkrete Aussagen aus dem Untersuchungsbericht der zuständigen Kommission zur Aufklärung der Abhöraffäre. Nach Verlassen der Gebäude durch die Techniker des Mobilfunkunternehmens, sollen erstmalig die Probleme bei der Übermittlung von Kurzmitteilungen aufgetreten sein, durch die der Abhörskandal aufflog.
Karamarios wird laut "Kathimerini" sehr deutlich, er fordert ein sofortiges Eingreifen der Staatsanwaltschaft gegen Vodafone:
"Based on the evidence we have seen today, a prosecutor should immediately press charges against Vodafone", soll der Leiter der Untersuchungskommision gegenüber Pressevertreter gefordert haben.
Costas Tsalikidis starb unter mysteriösen Umständen

in der die Rolle des Mobilfunkunternehmens Vodafone-Panafon immer undurchsichtiger wird.
Der Fall rückte bereits im Februar 2006 in den Blick der griechischen ÖffentlichkeitDer Druck auf Vodafone wächst hier zunehmend, da sich für den Anwalt der Familie des angeblich durch Selbstmord dahin geschiedenen Vodafone-Technikers, die Hinweise verdichten, Tsalikidis sei ermordert worden; laut eigenen Angaben, soll der Anwalt bereits Kontakt mit einem Informanten aufgenommen haben, der ihm in der Zeit nach Ostern, weitere Details zu dem angeblichen Mord an Tsalikidis nennen will – allerdings nur unter Inanspruchnahme des griechischen Zeugenschutzprogramms. Der Anwalt Themistoklis Sofos, hatte bereits im Rahmen früherer Recherchen starke Zweifel an der Selbstmord-Theorie des Technikers geäussert, zudem der Informant in einem Treffen vom 12.04.2006 ihm Namen aus dem Umfeld Vodafones genannt haben soll, die in einem "…direkten oder indirekten Zusammenhang mit Costas Tod" stünden – so Sofos gegenüber der Redaktion von dsltarife.net.
Tsalikidis war als ein lebensfroher und geselliger Mann bekannt, fest verankert in einem seit Jahren gefestigten sozialen Umfeld und mit gesicherter finanzieller Lebensgrundlage. Er lebte allein in seiner Wohnung, plante jedoch für den Sommer 2005 die Verlobung mit seiner langjährigen Lebensgefährtin Sarra, der er im Januar 2005 offenbarte, bei Vodafone etwas entdeckt zu haben, das (falls es publik werden würde) die Zukunft des Unternehmens in Griechenland gefährden könnte.
Mitte Februar sprach er mit seiner Verlobten im Zusammenhang mit seiner ominösen Entdeckung sogar davon, es sei eine Angelegenheit, die "über Leben oder Tod" entscheiden könnte; als Sarra daraufhin ihm ihre Hilfe in der mysteriösen Sache anbot, wiegelte Costas ab und brachte die Angelegenheit nicht mehr zur Sprache.
Für den 25 März 2005 (griechischer Nationalfeiertag) hatte das Paar zusammen mit einigen Freunden, einen Ausflug nach Kalambaka geplant; noch am 8 März bestätigte Tsalikidis gegenüber seiner Freundin, die Vorbereitungen seien abgeschlossen.
Doch dazu kam es nicht mehr, am 9 März wurde Costas in seiner Wohnung aufgehängt vorgefunden, laut anfänglichen Ermittlungen soll der Tod des Ingenieurs gegen 6 Uhr eingetreten sein. Costas soll sich demnach am frühen Morgen des 9 März das Leben genommen haben, obwohl er von niemandem in seinem Umfeld als suizidgefährdet eingeschätzt wurde und er gegen 4:30 seinem Vorgesetzten bei Vodafone einen Routinebericht per Mail (E-Mail, ADAE-Bericht und andere Materialien liegen unserer Redaktion vor) zukommen liess, in dem er über seine Aktivitäten berichtet und Vorschläge für zukünftige technische Vorgehensweise unterbreitet.
Der vermeintliche Selbstmord des Vodafone-Mitarbeiters wird von Sofos und dem in der Sache ermittelnden Staatsanwalt Diotis zunehmend angezweifelt, zudem ein anonymer Brief an den Anwalt des Verstorbenen davon spricht, Costas hätte in dieser Nacht Angst um sein Leben gehabt, dies sei der Grund, warum er bis in den frühen Morgenstunden gearbeitet habe.
Der anonym verfasste Brief (liegt uns ebenfalls vor) enthält ebenfalls Hinweise auf einen möglichen Tod Costas durch Verabreichung von Curare, worauf hin Sofos die Exhumierung und eine erneute – gründliche – pathologische Untersuchung des Leichnams beantragt hat.
Vodafone lässt Verantwortung und Kooperationsbereitschaft missen
Im Rahmen seiner Ermittlungen, stieß Themistoklis Sofos bei Vodafone Griechenland auf eine Mauer des Schweigens, der Mobilfunk-Anbieter weigerte sich zunächst, den firmeninternen Desktop-PC von Tsalikidis für eine etwaige Spurensicherung herauszurücken; das Mobilfunkunternehmen gab erst gestern (am 13.04) den firmeninternen PC des Ingenieurs heraus, nach Intervention des zuständigen Staatsanwaltes Diotis. Ebenfalls verweigerte man Informationen zum Umfeld des Verstorbenen, Briefe des promovierten Anwaltes wurden in der Unternehmenszentrale zunächst ignoriert.
Auf Anfrage unserer Redaktion, beteuerte der Pressesprecher von Vodafone – Dimitris Michopoulos – man sei bemüht, in einer Zusammenarbeit mit der zuständigen Staatsanwaltschaft, den Sachverhalt aufzuklären. Weitere Fragen zu Ungereimtheiten im Zuammenhang mit dem Tod des Ingenieurs wollte Michopoulos nicht beantworten und verwies auf die Pressemitteilung seines Hauses vom 03.02.2006
Mit seinem Gefühl, Vodafone wolle keine Fakten herausrücken, sondern sei eher an Verzögerungen und Verschleierung von Sachverhalten interessiert, steht Sofos nicht alleine, zudem das Mobilfunkunternehmen die Gesamtverantwortung für den Abhörskandal nach wie vor ablehnt, was den Leiter der ADAE, Anastasios Karamarios dazu veranlasste, das sofortige Eingreifen der Staatsanwaltschaft gegen Vodafone einzufordern; sein Büroleiter – Litas – sagte in einem Telefoninterview mit M. Heymann, Vodafone müsse nun endlich seine Verantwortlichkeit für die eigenen technischen Systeme eingestehen. Zudem habe Vodafone Dumps und Protokolle von lediglich zwei Monaten und nicht, die des kompletten Zeitraumes des Abhörvorganges vorgelegt, so die Vorwürfe der Untersuchungskommission weiter.
Die Verantwortung Vodafones für den Abhörskandal, gehe aus dem Zwischenbericht der ADAE deutlich hervor, sagte Litas weiter – Vodafone hingegen, spricht von Ungereimtheiten und falschen Schlussfolgerungen in dem Bericht der Kommission:
Wie zu erwarten, verwies Michopoulos bei allen Fragen im Zusammenhang mit dem ADAE-Interim-Report auf die öffentlich zugängliche Presseerklärung seines Unternehmens und lehnte weiterführende Stellungnahmen entschieden ab.
Die "Hellasgate-Affäre" wird sicherlich in nächster Zeit die griechische Öffentlichkeit und Strafverfolgungsbehörden intensiv beschäftigen, angesichts der Tragweite für das Land und die Familie und Freunde von Tsalikidis, sollte schnellstens eine schonungslose Aufklärung der Vorfälle erfolgen.(mh, team [ at ] dsltarife [ punkt ] net)
Weiterführende Artikel zu dem Thema
- Die Umstände um den Tod Costas aus Sicht der Familie – Bemerkenswert: Trotz einer mehr als 10-jährigen Tätigkeit Tsalikidis für das Unternehmen, hat Vodafone den Verbliebenen niemals kondoliert
- Hellasgate – Sehr gut recherchierter Heise-Artikel und Hintergründe des Abhörskandals
- Vodafone und die Abhöraffäre beim Handelsblatt – Meldung vom 02.02.2006
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