29.05.2006

 Im Streit um die Regulierungsbefreiung des neuen VDSL-Netzes der Telekom wurde Telekom-Chef Kai-Uwe Ricken gegenüber dem Handelsblatt erneut deutlich: Ricken meinte gegenüber dem Blatt hinsichtlich einer drohenden Auflage durch die EU-Kartellbehörden: "Wir werden nicht mehr als zehn Städte an das VDSL-Netz anschließen, wenn wir keine Investitionssicherheit bekommen." Im Interview wünschte sich Ricken dann auch ähnliche Freiheiten, wie sie die großen Netzbetreiber in den USA auch haben: "In Amerika hat man verstanden, dass man den großen Investoren in die Infrastruktur die Regulierung vom Hals hält", sagte Ricke weiter und zielte dabei auf die Unternehmen "Verizon" oder "AT&T".
Die Telekom hat es schwer, mit eigenen Investitionen in diesem Land und die notwendige Freiheit für ihr Eigentum, so wenigstens die Ansicht der Telekom. Kai-Uwe-Ricken hatte im Oktober 2005 angekündigt, in Deutschland ein neues Glasfasernetz in über 50 deutschen Städten einrichten zu wollen, dafür seien insgesamt drei Milliarden Euro geplant. Im Gegenzug für diese Investition wollte Ricken für sein Unternehmen für eine gewisse Zeit eine Regulierungsfreiheit von der Bundesnetzagentur und diesen Weg hatte die Bundesregierung auch mit einer entsprechenden Gesetzesvorlage ermöglicht. Dies aber rief die Konkurrenz auf den Plan, die in aller Deutlichkeit protestierten. Auch die EU-Kommission meldete " ernsthafte Bedenken" an und drohte der Bundesregierung sogar mit rechtlichen Konsequenzen.
In Hinblick auf die innovative Technologie "Triple Play" und der bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft hatte die Telekom dann doch angefangen, ihr Glasfasernetz für zunächst zehn deutsche Großstädten auszubauen. Dieses Netz bietet eine Übertragungskapazität von bis zu 50 MBit/s und ist daher für die neuen Multimedia-Anwendungen hervorragend geeignet. Um das geplante Vorhaben für Neukunden attraktiv zu machen, hatte sich die Deutsche Telekom dann noch zusätzlich die Übertragungsrechte für die Deutsche Fußball Liga via Internet gesichert.
Die geplanten Investitionen laufen aber nicht so reibungslos, wie Ricken sich das augenscheinlich vorgestellt hat. Die Vertreter der Breitband-Konkurrenz machen weiter Front gegen die Telekom und auch die EU-Kommission lässt nicht locker. Ebenso steht eine Konfrontation des Lizenz-Inhabers arena für die Live-Übertragungsrechte der Fußball-Liga ins Haus, wenn die Telekom dem Bezahlsender Premiere Live-Beiträge über Kabel oder Satellit zur Verfügung stellt.
Ricke war anlässlich einer Road Show bei Investoren in New York und hatte laut Handelsblatt Mühe, die Anleger für seine Zukunftspläne zu begeistern. "Bei den Investoren lässt sich im Moment kein Blumentopf gewinnen", zitiert das Blatt den Telekom-Chef. Zumindest eine Botschaft aber sei er los geworden: "Wir wollen nicht so sehr auf kurzfristige Erfolge an der Börse schielen und uns statt dessen auf das langfristige Ziel konzentrieren, in Europa die Nummer eins zu sein." Einen Großinvestor hat Ricken für sein Vorhaben dann doch schon ins Boot holen können: Der US-Finanzinvestor " Blackstone" hat kürzlich 4,5 Prozent Aktienanteile von der Telekom übernommen.
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