Handy-TV - DMB, DVB-H oder UMTS ... oder DXB?

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17.07.2006

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Handy-TV - DMB, DVB-H oder UMTS ... oder DXB?

Handy-TV - DMB, DVB-H oder UMTS ... oder DXB?Fernsehen übers Handy, das Thema ist derzeit in aller Munde und die Industrie hat uns vor und während der Fußball Weltmeisterschaft 2006 suggeriert, dass dieser Service die ultimative Anwendung für die Zukunft sein wird. Komischerweise gibt es bis dato sehr wenige Fernsehprogramme und noch weniger Geräte, die einen derartigen Empfang immer und überall ermöglichen. Der Endverbraucher wird mit allerlei Kürzeln für Übertragungsstandards konfrontiert und zwangsläufig stellt sich die Frage, welcher Übertragungsstandard wird sich eigentlich durchsetzen?

Von den unterschiedlichen Übertragungsstandards dürfte wohl die Bezeichnung "UMTS" am bekanntesten sein. Was dabei UMTS eigentlich genau ist (Erklärung siehe unten), werden die meisten Endverbraucher nicht wissen. Sie wissen nur, dass die Mobilfunk-Netzbetreiber im Jahr 2000 die unglaubliche Summe von fast 50 Milliarden Euro alleine für Sendelizenzen gezahlt haben und dass man mit UMTS mobil ins Internet kann. Die wenigsten wissen, dass UMTS derzeit nur eine Übertragungskapazität von maximal 386 KBit/s ermöglicht und das ist im Verhältnis zu den Breitband-Zugängen mit bis zu 25 MBit/s (VDSL der Telekom) geradezu lächerlich wenig. Selbst der UMTS-Tuner "HSDPA" bietet derzeit nur eine Übertragungskapazität von bis zu 1,8 MBit/s und auch das scheint bei den Standard-DSL-Leitungen von DSL-6000 (also 6014 MBit/s) bereits jetzt als überholt.

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Einen etwas anderen Weg geht DMB. Die so genannte "Digital Multimedia Broadcasting" (DMB), ein audiovisueller Hörfunkstandard (weitere Erklärung siehe unten), hat seinen Regelbetrieb für Handy-TV am 01.06.2006 für zunächst fünf deutsche Städte aufgenommen. Betreiber ist die Firma MFD (Mobiles Fernsehen Deutschland), die ihre Produkte über den Mobilfunk-Service-Betreiber debitel vermarktet. Eine Erweiterung auf 40 bis 45 Städte bis Ende des Jahres ist geplant und für Ende 2008 soll eine 75-prozentige Bevölkerungsabdeckung gewährleistet sein. Aber auch mit DMB lassen sich multimediale Inhalte nur mit bis zu 400 kBit/s im Kompressionsverfahren MPEG4 auf Mobiltelefone, Handhelds, PDAs und andere portable Empfangsgeräte übertragen; die Nettodatenrate liegt jedoch bei bis zu 1,5 MBit/s. Damit können bis zu vier TV-Programme im H.264 Video- und AAC+/BSAC Audio-Modus sowie ergänzende Audioprogramme und IP-Datendienste pro Ensemble angeboten werden. Wird ein kompletter TV-Kanal genutzt, erhöht sich die Anzahl der Fernsehprogramme bei 300 kBit/s auf etwa zehn bis zwölf und liegt damit deutlich niedriger als bei DVB-H.

DVB-H (Erklärung siehe unten) wird derzeit von allen vier deutschen Mobilfunk-Netzbetreibern gemeinsam erprobt und steht in starker Konkurrenz zu DMB. Der Buchstabe H gilt als Abkürzung für so genannte Handhelds und soll den mobilen Charakter neben DVB-S (Satellit) und DVB-C (Kabel) deutlich unterstreichen. Zur Fußball-WM 2006 war die Einführung von DVB-H an allen Spielstätten vorgesehen, um nach der Weltmeisterschaft im Rahmen einer gemeinsamen Abstimmung aller Landesmedienanstalten die Versorgung sukzessive auszubauen. Zustande kam aber nur ein zeitlich befristeter Pilotversuch, an dem unter anderem die vier deutschen Mobilfunk-Netzbetreiber beteiligt sind. In der Regel steht bei DVB-H eine Nettodatenrate von etwa acht MBit/s zur Verfügung. Bei einer Auflösung von 320 mal 240 Pixel und einer Datenrate von etwa 300 KBit/s stehen Kapazitäten für mehr als 20 TV-Programme sowie zusätzliche Hörfunksender und Datendienste, die in einem Mulitplex zusammengefasst werden, bereit. Leider aber stehen in den meisten Ballungsgebieten keine ausreichenden Netzkapazitäten für DVB-H zur Verfügung und unter diesen Bedingungen wird eine breite Abdeckung deutlich erschwert.

Noch ist es völlig unklar, welches der bisherigen Übertragungsverfahren sich schlussendlich durchsetzen wird und deshalb empfehlen Experten, sich noch keine Handys mit "TV"-Funktionen zuzulegen. Es heißt, selbst die UMTS-basierten Streaming-Sendungen könnten durch die MBMS-Technologie in den nächsten Jahren noch eine Zukunft haben. Derzeit wird aber im Norden Deutschlands eher der DVB-H-Standard favorisiert, während in Süddeutschland DMB bevorzugt wird.

Trotz - oder gerade wegen - der unterschiedlichen Standards und Übertragungswege gibt es einen neuen Lösungsansatz und der heißt "Digital Extended Broadcasting" (DXB). DXB soll die bestehenden Systeme zusammenführen und harmonisieren, indem die Sendungen IP-basiert übertragen werden. Lediglich T-DMB nutzt nicht das IP-Protokoll und Dr. Ralf Schäfer, Abteilungsleiter Bildsignalverarbeitung beim Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut und bezeichnete diesen Standard in einem Vortrag auf dem Euroforum-Kongress zum Thema Mobile-TV in München als veraltet.

DXB könnte auf dem so genannten DAB-Hörfunkstandard aufsetzen und als "eDAB" im VHF-Band III flächendeckend ausgestrahlt werden. Entsprechende Frequenzen stehen insgesamt zur Verfügung. DXB ist ein vom Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut (HHI) in Berlin koordiniertes Projekt, das digitale Rundfunkdienste wie DVB und DAB mit dem Mobilfunkstandard UMTS verknüpfen soll. Die reibungslose Kommunikation der verschiedenen Technologien untereinander soll über eine gemeinsame IP-Schicht erfolgen. Dieses Pilotprojekt wurde Anfang Juni 2006 begonnen und steht unter dem Motto "Handy-TV over IP". Der nächste Testbereich ist dann die Erprobung der Interoperabilität in so genannten hybriden Netzen mit DAB/eDAB, DVB-T/-H und UMTS.


DMB (Digital Multimedia Broadcasting):
Bei diesem Übertragungsstandard handelt es sich um eine auf DAB (Digital Audio Broadcasting) aufbauende Erweiterung. Sie ist speziell darauf ausgerichtet, bewegte Bilder auf sich schnell bewegende Empfänger zu übertragen. Bei diesem so genannten "Handy-TV" erfolgt die Videocodierung im Standard MPEG-4. Trotz der bei Handys üblicherweise verwendeten Übertragungsverfahren GPRS und UMTS mit ihren geringen Übertragungsraten von unter 400 KBit/s kann wegen der kleinen Displays eine akzeptable Bildqualität erzielt werden.

DVB-H (Digital Video Broadcasting for Handhelds):
DVB-H ermöglicht die Übertragung von Fernsehkanälen für Mobiltelefone und andere kleine mobile Geräte. DVB-H wird zusammen mit digitalem Antennenfernsehen DVB-T über Antenne ausgesendet und baut auf der Technik von DVB-T auf. Für Video- (MPEG-4/AVC statt MPEG-2) und Audiokodierung (MPEG-4HE-AACv2 statt MPEG-1 Layer 2) werden andere Kodierverfahren als bei DVB-T eingesetzt.

UMTS (Universal Mobile Telecommunications System):
Bei UMTS handelt es sich um ein Standard für die mobile Telekommunikation, der auf einer ETSI-Standardisierung aus dem Jahr 1998 beruht. UMTS sieht mit bis zu 2 MBit/s deutlich höhere Datenübertragungsraten als GSM vor und soll im Prinzip für Handys usw. alle Möglichkeiten des Festnetzes erschließen, z.B. auch beim Zugang zum Internet. UMTS verwendet das CDMA-Verfahren, das nicht mit starren Zeitschlitzen (wie GSM) arbeitet, sondern flexibel überträgt und die Bandbreite an die jeweiligen Erfordernisse anpasst.

DXB (Digital Extended Broadcasting):
DXB ist ein neuartiges Konzept zur Verknüpfung von DVB-H, T-DAB und UMTS mit dem Ziel der einheitlichen Verbreitung von Rundfunk, Medien- und Telediensten über Rundfunk- und Mobilfunknetze. DXB ermöglicht technikneutral die mobile Verbreitung von Multimedia-Inhalten durch eine gemeinsame IP-(Internet-Protocol) Schicht. Diese Technik bietet zahlreiche Vorteile, von der Inhalteanbieter, Netzbetreiber, Endgerätehersteller und Nutzer profitieren können.

MediaFlo (Mobile-TV-Technologie von Qualcomm):
MediaFLO ermöglicht es Netzbetreibern, datenintensive Videoservices in einem Netzwerk zu laden. Dadurch lässt sich deren zelluläre Struktur für Telefongespräche und den Internetzugang beibehalten. MediaFLO bietet Abonnenten-Video-Broadcasts in Echtzeit. Die Qualcomm-Tochter Mediaflow hat mit einem US-weiten Medien-Verteilsystem praktisch ihr eigenes Rundfunknetz aufgebaut, das über 20 große US-Standorte abdeckt. Ab Oktober 2006 will Mediaflow den kommerziellen Sendebetrieb aufnehmen und hat dazu Ende 2005 Lizenzverträge mit zahlreichen Medienherstellern geschlossen.

Mit Samsung und LG hat der Handy-Chip-Spezialist Qualcomm wichtige Verbündete für seine Technik Flo gefunden. Dem Flo-Forum haben sich nach Angaben des Herstellers bis Januar 2006 mehr als 25 Firmen angeschlossen. Das Rundfunkverfahren Flo (Forward Link Only) erlaubt 20 simultane Streaming-Ausstrahlungen mit einer Auflösung von 320 × 480 Pixel bei Bildraten von 30 Frames pro Sekunde. Gleichzeitig werden auch zehn streamende Stereo-Audiokanäle und der Abruf von täglich 800 Minuten gespeicherter Kurzvideos unterstützt. Die Technologie arbeitet im 700-MHz-Spektrum und erzielt damit sehr hohe Reichweiten.

MBMS (Multimedia Broadcast Multicast Service):
MBMS ist eine Erweiterung des UMTS-Netzes für Multimedia- und Broadcastdienste, die auf eine Optimierung des Datentransports bei gleichzeitiger Übertragung von vielen Netzen abzielt. Die neue MBMS-Technologie ermöglicht Netzbetreibern, mehr Programme in besserer Qualität größeren Zuschauergruppen gleichzeitig anzubieten. MBMS ergänzt die Unicast Streaming Technologie, die in heutigen Mobilfunknetzen für mobile Fernsehdienste schon erfolgreich verwendet wird.

Durch den Einsatz von Point-zu-Multipoint-Verbindungen werden die Netzressourcen und -kapazitäten dabei effizienter genutzt. So kann eine große Anzahl von Teilnehmern im selben Gebiet gleichzeitig dasselbe Fernsehprogramm empfangen. MBMS ist wie mobiles Breitband (HSDPA, HSUPA) ein Bestandteil der UMTS- (WCMDA-) Entwicklung und basiert auf 3GPP (3rd Generation Partnership Project) Standards.


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