76 Mio. Euro Strafe im griechischen Vodafone-Abhörskandal
Rund zehn Monate nach Bekannt werden eines Abhörskandals bei der griechischen Landesvertretung des Mobilfunk-Netzbetreibers Vodafone, ist das Unternehmen zu einer Strafe von 56 Millionen Euro verurteilt worden. Vodafone-Griechenland kündigte an, gegen das Urteil juristisch vorgehen zu wollen.
Die griechische Justiz warf Vodafone Griechenland vor, seine Kunden nicht ausreichend vor Abhöraktionen durch "Unbekannte" geschützt zu haben. Außerdem habe Vodafone die Behörden verspätet benachrichtigt, obwohl es Beweise für das Abhören von dutzenden von Personen gefunden hatte. Unter den abgehörten Zielpersonen gehörten auch der griechische Ministerpräsident Kostas Karamanlis, der Außenminister Petros Molyviatis sowie einige andere Hochkaräter des Verteidigungsministeriums und prominente Pressevertreter.
Der Lauschangriff rückte erstmalig im Februar 2006 in den Blick der griechischen Öffentlichkeit, als Kunden des Billiganbieters Q-Telecom (der das Netz von Vodafone nutzt) sich darüber beschwerten, nachweislich versendete Textmitteilungen (SMS) nicht erhalten zu haben. Was zunächst wie eine technische Panne aussah, entpuppte sich bei entsprechender Kontrolle durch ein Expertenteam als vorsätzlichen Eingriff in die technischen Vorrichtungen Vodafons. Das Expertenteam entdeckte installierte Abhörsoftware, die durch ein Trojanerprogramm aktiviert werden konnte.
Unklar ist bis heute, wer hinter der Aktion stand. Eine Untersuchungskommission des griechischen Parlaments kam in den vergangenen Monaten zu keinem Ergebnis. Die griechische Presse verdächtigte amerikanische Sicherheitsbehörden, aber auch die Rolle des Mobilfunk-Netzbetreibers Vodafone selbst war in diesem Fall stets umstritten. Hierbei ging es unter anderem um den mysteriösen Tod des griechischen Vodafone-Mitarbeiters Costas Tsalikidis. Tsalikidis war zum Zeitpunkt der Installation der Schnüffelsoftware, zuständig für die Wartung und Architektur der Systeme.
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