
Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass die technische Entwicklung im Mobilfunkbereich und deren Umsetzung im asiatischen Raum, der Entwicklung im Westen immer einen Schritt voraus ist? So kamen die ersten Handys mit Farbdisplay oder Handys mit Kameras aus Asien. Und während die Nutzung von Handys der dritten Generation (3G bzw.
UMTS) in Japan schon längst zum erfolgreichen Standard geworden ist und man sich schon auf die nächste Stufe mit bis zu 100 MBit/s vorbereitet, nimmt UMTS mit 386 KBit/s im Westen erst langsam an Fahrt auf.
Martin Kölling, im
Heise-Blog, hat hierzu eine interessante Theorie: Er meint, nicht die vermeintliche Technikfreudigkeit der Asiaten sei der Grund für den technischen Vorsprung und ihrer Umsetzung, sondern mehr die Gier nach Profit der westlichen Industrie. Während beispielsweise der deutsche Staat den Mobilfunkanbietern Milliardenbeträge für UMTS-Lizenzen abgenötigt hat, wurden die Lizenzen in Japan quasi verschenkt, wodurch sich im Land der aufgehenden Sonne innerhalb weniger Jahre eine blühende mobile Internet-Landschaft entwickeln konnte, im Westen aber nicht.
Während anderswo auf der Welt die Netzbetreiber den Inhalteverkäufern mehrere dutzend Prozent vom Verkaufserlös der angebotenen Dienstleistungen abpressen, begnügt sich der in Japan ansässige weltgrößte Mobilfunk-Netzbeteiber 'DoCoMO' mit nur rund ein Zehntel der dort erwirtschafteten Gewinne. Gleichzeitig subventioniert das Unternehmen immer neue High-Tech-Handys auf Schnäppchenpreisniveau herunter (und refinanziert das zum Teil durch hohe Verbindungsgebühren). Und weil die Inhalteanbieter schon relativ schnell Gewinne erzielen können, sprießen in Asien entsprechend schnell neue Dienste.
Martin Kölling meint weiter: Trotz des technischen Vorsprungs von fast zwei Jahren können die Asiaten diese Position im Westen nicht in eine Marktführerschaft umsetzen. Der Grund hierfür sei, dass die Asiaten nicht auf den westlichen
GSM-Standard gesetzt hätten und eine doppelte Entwicklung immer mit leichten Verlusten verbunden wäre. Außerdem wäre High-Tech für europäische
Handy-Hersteller zu teuer und sie würden sich nur mit mittlerer und somit preiswerterer Technik in ihren Geräten begnügen. Als dritten Grund meint Kölling, die Hersteller in Europa hätten den so wichtigen Markenaufbau 'verlernt'. In Europa kaufen die Kunden eine Handy-Marke, in Japan ein Telefon eines der Netzbetreiber.
Ob die aufgestellte These des Herrn Kölling tatsächlich auf derart wenige Faktoren reduziert werden kann, ist allerdings die Frage. Während beispielsweise im Westen ein Auto vielfach als Statussymbol gilt, haben Japaner in Tokio gar kein Platz um ein vierrädriges Gefährt unterzubringen. Dort fungieren Mobilfunkgeräte mit der neuesten technischen Entwicklung, als Statussymbol für -DIE- ultimative Errungenschaft des jeweiligen Besitzers.
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Rubrik: Handy Tarife