
Geht es nach dem Willen des freenet-Chefs Eckhard Spoerr, so werden sich die vier deutschen Mobilfunk-Netzbetreiber noch "warm anziehen" müssen: In einem Interview mit dem Nachrichten-Magazin 'FOCUS' meinte Eckhard Spoerr, nach einer vollzogenen Fusion mit der debitel-Gruppe, stellt die (dann neue) freenet AG eine große Marktmacht dar. Zukünftig werde die (dann) Nummer DREI im deutschen Mobilfunkgeschäft darüber mit entscheiden, welche Mobilfunknetze ausgelastet werden: "Das wird ein neues Spiel der Kräfte", so Spoerr im FOCUS-Interview.
Zur Frage der Neuausrichtung des Konzerns nach der Verschmelzung mit den Mobilfunk-Service-Providern 'debitel', 'TALKLINE' und 'Callmobile' ließ Spoerr durchblicken, dass es sicherlich auch personelle Veränderungen, möglicherweise auch Kündigungen geben wird. Die freenet AG verwaltet derzeit das Mobilfunkgeschäft der mobilcom und in diesem Zusammenhang meinte Spoerr: "Eins ist klar: Wenn zwei Unternehmen zusammengehen die ähnliches tun, dann muss auch über Personalanpassung geredet werden." In welcher Größenordnung es möglicherweise Personalkürzungen geben wird, nannte Spoerr nicht.
Im Interview ging Spoerr noch einmal auf die Offerten der United-Internet AG und der Drillisch AG ein. Beide Konzerne hatten über eine gemeinsame Holding versucht, die freenet AG vor dem debitel-Deal zu übernehmen und gerade United-Internet-Chef Ralph Dommermuth hatte bis zuletzt versucht, die debitel-Übernahme durch freenet zu verhindern. Spoerr: "Das Duo wollte durch seine Manover die Unsicherheit bei freenet erhöhen, um das Unternehmen zu zerschlagen." Hierbei sei unter anderem auch versucht worden, die freenet-Aufsichtsräte unter Druck zu setzen.
Spoerr hoffe aber, dass nach dem Streit um die 1,6 Milliarden teure debitel-Übernahme, Ruhe einkehrt und sich der Streit nicht juristisch fortsetzt. Spoerr: "Ich gehe davon aus, dass Dommermuth ein guter Verlierer ist und das Unternehmen schon aus eigenem Interesse als Aktionär nicht behindern will."
Die United-Internet AG besaß gemeinsam mit der Drillisch AG (über die neu gegründete MSP Holding GmbH) 25,2 Prozent der freenet-Aktien, sinkt aber durch die Ausgabe von 32 Millionen neuen Aktien (die zum Teilkauf der debitel-Gruppe verwendet werden) anteilsmäßig wieder nach unten. Hierdurch verliert die MSP-Holding an Einfluss. Außerdem sieht Dommermuth unnötige Kosten auf den freenet-Konzern zukommen, die durch hohe Bürgschaftsgebühren entstehen. freenet hat mit dem debitel-Kauf auch über eine Milliarde Euro Schulden übernehmen müssen und die Mobilfunk-Netzbetreiber forderten als Sicherheit für mögliche Nutzer-Ausfälle Bürgschaften in dreistelliger Millionenhöhe.
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