UMTS auf TV-Frequenzen stört Fernsehempfang

Bild: 1&1Die bisher dem Fernsehempfang zugeordneten Frequenzen um 850 MHz sind wegen ihrer hohen Reichweite besonders begehrt. Nicht umsonst rechnet der Staat mit hohen Einnahmen aus der Versteigerung der so genannten Digitalen Dividende. Verschiedene Mobilfunk-Betreiber planen den Betrieb ihrer ländlichen LTE-Netze innerhalb dieses Frequenzbereichs. In Baden-Württemberg durften über 100 Teilnehmer in den letzten 12 Monaten die Vorgängertechnologie UMTS über die TV-Frequenzen testen. Die Landesregierung hatte die Landesanstalt für Kommunikation mit dem Testbetrieb beauftragt. Dabei wurde nicht nur die Funktion des Systems unter Beweis gestellt, sondern auch Störungen beim TV-Empfang aufgedeckt.
Technik ist schon bereits in Australien im Einsatz
Der Testbetrieb erfolgte in Teilen der Gemeinden Bopfingen und Unterschneidheim im äußersten Osten von Baden-Württemberg. Bisher waren dort nur ISDN (128 kBit/s) oder DSL-Lite (384 kBit/s) verfügbar. Am Testbetrieb beteiligt waren der Service-Provider Media Broadcast, der Kabelnetzbetreiber Kabel BW, der Südwestrundfunk SWR sowie die zuständigen Verbände für den Bereich Kabel und drahtlose Mikrofone DKE und ANGA. Den Betrieb des Netzes und die kostenlose Bereitstellung der Hardware übernahm der Mobilfunk-Anbieter Vodafone. Es wurde kommerziell bereits in Australien eingesetzte Hardware des Herstellers Ericsson benutzt. Für den Testbetrieb wurde eine bestehende Vodafone-Basisstation im hoch gelegenen Schloß Baldern erweitert.
Modems stören Fernsehempfang
Die Nutzer waren dem Marktforschungsunternehmen BIK Marplan zufolge sehr zufrieden mit dem Internetzugang. Mit den vergleichsweise langsamen Verbindungen vor dem Versuch waren über drei Viertel der Teilnehmer unzufrieden. Nach der Installation der schnellen Internetverbindungen lag die Zufriedenheit dagegen bei über 90 Prozent. Mehrere Messungen vor Ort zeigten allerdings auch Störungen in den klassischen Nutzungsformen des Frequenzbereichs. Dazu gehören Antennenfernsehen (DVB-T), Kabelfernsehen (DVB-C) und drahtlose Mikrofone. Die Störungen traten besonders dann zu Tage, wenn ein UMTS-Modem im gleichen Raum wie ein Fernseher betrieben wurde. Der Kabelnetzbetreiber KabelBW befürchtet , dass LTE aufgrund der intensiveren Nutzung des Frequenzbereichs noch größere Störungen verursachen könnte.
Feldversuch endet bald
Zur Störungsbehebung existieren verschiedene Maßnahmen. Dazu gehören eine Reduzierung der UMTS-Signalstärke und die Verwendung von Dachantennen für DVB-T. Außerdem lässt sich die Störanfälligkeit durch eine Erhöhung des räumlichen Abstands von Fernsehempfänger und Antenne sowie des Mobilfunkterminals vermindern. Am 30. April heißt es für die Beteiligten allerdings: Ende aller Störungen und zurück in die Internet-Steinzeit, denn dann endet die Versuchsfunklizenz.











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