United Internet trennt sich von Drillisch-Aktien
Der Internet-Dienstleister United Internet, unter anderem Konzernmutter von bekannten Portalen wie beispielsweise Web.de, GMX oder auch 1&1, hat alle direkt an der Drillisch AG gehaltenen Aktien verkauft. Dies teilte das Unternehmen am Freitagabend der Öffentlichkeit mit. United Internet hatte die rund 5,15 Millionen Aktien erst im November 2007 erworben und hielt seither rund zehn Prozent der Anteile am Drillisch-Konzern. Der jetzige Erlös der Aktien betrage 21,37 Millionen Euro. Dies entspricht einem Preis von 4,15 Euro pro Aktie. Am Freitag stand die Drillisch-Aktie nach Börsenschluss bei 4,20 Euro.
Obwohl der Verkauf der Aktien für Branchenexperten und Marktbeobachter nachvollziehbar ist kam die Nachricht über den Verkauf doch überraschend. Bisher hatte United Internet nicht signalisiert, dass man sich von dem Aktienpaket trennen möchte. Aus dem Verkauf der Drillisch-Aktien erwartet der Konzern im vierten Quartal dieses Jahres einen positiven außerordentlichen Ertrag in Höhe von rund 12,4 Millionen Euro. Erst im August diesen Jahres hatte United Internet sich von einem freenet-Paket mit 10,8 Millionen Aktien getrennt. Der Erlös seinerzeit betrug 93,95 Millionen Euro.
United Internet zieht damit einen Schlussstrich unter einem Kapitel, das dem Unternehmen sehr viel Geld gekostet hat. Der Ursprung lag eigentlich bei einem Drillisch-Vorhaben, sich unbedingt mit der mobilcom AG vereinigen zu wollen. mobilcom hatte aus der UMTS-Versteigerung im Jahre 2000 bis Ende 2007 noch erhebliche Verlustabschreibungen und von diesen Abschreibungen wollte Drillisch steuerlich partizipieren. Als dann freenet und mobilcom im Jahre 2006 fusionieren wollten und eine entsprechende Fusionsofferte zwischen Drillisch und mobilcom von freenet-Chef Eckhard Spoerr abgelehnt wurde, kam es zu einer sehr unschönen Konfrontation.
Drillisch-Chef Paschalis Choulidis versuchte zunächst, die freenet / mobilcom Fusion auf dem Rechtsweg zu verhindern und als ihm dies nicht gelungen war, verbündete er sich mit United Internet Chef Ralph Dommermuth, um die zwischenzeitlich vereinigte freenet AG komplett aufzukaufen und um sie dann zu zerschlagen und aufzuteilen. In diesem Joint Venture kauften Choulidis und Dommermuth mehr als 25 Prozent der neuen freenet AG zusammen und wollten in einer Aktionärsversammlung sogar Eckhard Spoerr als freenet-Chef stürzen. Spoerr konnte sich jedoch erfolgreich wehren, kaufte kurzerhand die debitel-Gruppe und belastete das Unternehmen mit mehr als einer Milliarde Euro Schulden. Zwischenzeitlich war auch das Jahr 2007 zu Ende gegangen, Verlustabschreibungen über mobilcom gab es nicht mehr, durch eine weitere freenet-Aktienausgabe war der Gesamtanteil auf unter 25 Prozent gesunken und somit wurde Choulidis endgültig auf Distanz gehalten.
Durch den Aufkauf der debitel-Gruppe (debitel, TALKLINE, callmobile und den _dug-shops) wandelte sich freenet vom DSL-Provider zum Mobilfunk-Service-Provider. Freenet selber hatte zwischenzeitlich mit freeneMobile eine eigene Marke auf den Weg gebracht, dazu kam mobilcom und die Discounter-Marke klarmobil. Zur Abtragung der Schuldenlast wurde die freenet DSL Sparte in diesem Jahr an United Internet verkauft und damit hatten sich alle Ambitionen Ralph Dommermuths an Drillisch und freenet erübrigt.
Durch die ewig schlechte Presse, durch die enorme freenet Schuldenlast und durch die komplette Umstrukturierung des freenet-Konzerns, fuhr freenet hohe Verluste ein, die letztlich von den Aktionären auch zu tragen waren und nun seinerseits United Internet belasteten. Erst diese Woche ließ freenet-Chef Christoph Vilanek verlauten, nach seiner Einschätzung werde der Mobilfunkmarkt in Deutschland weiter schrumpfen. Die Umsätze im gesamten Markt würden durch den anhaltenden Preisrückgang in den kommenden 12 bis 24 Monaten wahrscheinlich weiter sinken und selbst das Potential aus den neuen Datendiensten könnte diesen Rückgang nicht kompensieren, so Vilanek gegenüber dem Handelsblatt am Mittwoch.










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